Rundfahrt Kairo, Nilfahrt und Rotes Meer
Kairo
Unmengen von Sand sind das Erste, was man vom Flugzeug aus sieht – und das Delta des Nils, das sich im Norden Ägyptens vielarmig durch die Wüste schlängelt. Sonne und Sand sind das Einzige, was wir in Ägypten im Überfluss haben, sagte mir einmal ein junger Ägypter mit einem Augenzwinkern. Unbarmherzig brennen die Sonnenstrahlen denn auch auf die weitläufigen Vorstädte, die sich als nächstes minutenlang ins Blickfeld des Flugzeugfensters schieben.
Fährt man dann vom Flughafen in Richtung Zentrum empfängt einen die Stadt mit einem nie abreißenden Hupkonzert, Staulawinen und heißer smoggeschwängerter Luft. Dennoch gilt Kairo, dessen ägyptischer Name „Masr“ sowohl für die Stadt Kairo als auch für das gesamte Land steht, im Orient nicht zu Unrecht als Umm al-Dunja, als Mutter der Welt. Faszinierend ist vor allem die Gleichzeitigkeit verschiedener Zeitalter, die einem täglich auf der Straße begegnen können: Es gibt die Internet-Cafés mit Wireless-LAN-Anschluss inklusive Latte Macchiato mit dem eigenen Lieblingsgeschmack, es gibt die jungen Frauen mit Jeans und Kopftuch, es gibt die Männer vom Land mit Turban und Galabeya, dem langen orientalischen Hemdgewand, die auf einem Esel reiten und dabei mit ihrem Handy telefonieren.
Kairo ist laut, schmutzig und anstrengend – eine Stadt, die auch nachts nie zur Ruhe kommt – und hat dennoch so viel zu bieten: Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten wie den Pyramiden, dem Sphinx, der Mohammed Ali Moschee oder dem Ägyptischen Museum gehören für mich auch Oasen wie der Park am Nil, in dem sich die Liebespaare treffen, und in dem man, wie in dem wunderschönen neu angelegten Al-Azhar-Park, Eintritt bezahlen muss oder ein europäisch anmutender Buchladen namens „Diwan“ im Viertel Zamalek, in dem man in Zeitungen und Büchern schmökern kann, eine reichhaltige Palette von CDs im Angebot findet und dabei noch einen Kaffee trinken oder ein Häppchen essen kann. Im weitesten Sinne zum Ausruhen empfehlen sich auch der Kairoer Zoo oder ein Besuch in der Oper. Wer einen umfassenden Eindruck von Ägypten gewinnen möchte, dem ist eine etwa dreiwöchige Rundreise durch das Land zu empfehlen: beginnend und endend in Kairo, dazwischen sollte man eine einwöchige Nilkreuzfahrt unternehmen und danach ein paar Tage Kraft tanken am Roten Meer.
Nilrundfahrt Luxor – Assuan – Luxor
Wer es eilig hat, gelangt mit einem Inlandsflug von Kairo nach Luxor. Empfehlenswert ist aber auch der so genannte Ausländerzug, der nachts zwischen den beiden Städten verkehrt. Mit einem Auto wird man von der Reiseagentur direkt zum Zug gebracht. Er startet etwa gegen 20 Uhr und ist gegen fünf, sechs Uhr am Morgen in Luxor. Die Schlafwagenabteile mit je zwei übereinander liegenden Betten sind einfach und sauber. Ähnlich wie im Flugzeug gibt es ein auf einem Tablett serviertes Abendbrot, das kleine warme und kalte Speisen bietet, die einfach sind, aber satt machen und bekömmlich sind. Getränke können zum Selbstkostenpreis bei dem freundlichen Schlafwagenpersonal erworben werden. Besonderer Tipp: Ein Besuch in der Nachtbar des Zuges, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Das Mobiliar ist abgenutzt, verdeckte Neonröhren spenden etwas Licht. Dort trifft man dann ein Völkergemisch aus Asiaten, Skandinaviern und sonstigen Europäern, die sich manchmal bei einem Glas Wein oder Gin Tonic näher kommen. Erlebt: Einer der älteren Schlafwagenkellner, der in der Bar Dienst hatte, führte zu ägyptischer Musik auf einem Tisch in der Nachtbar – während der Fahrt mit einem Glas Wasser auf der Stirn – gratis unter dem Jubel der Gäste einen Bauchtanz mit einem Geschirrtuch um die Hüften vor.
Wenn man gegen vier oder fünf Uhr etwa eine Stunde vor Luxor mit einem kleinen Frühstück geweckt wird und die Fenstervorhänge öffnet, dann kann man einen wunderbaren Sonnenaufgang vor der Kulisse des Nils erleben. Es gibt etwa 300 Schiffe, die täglich über den Nil kreuzen. Sie sind sehr unterschiedlich in Alter und Ausstattung und können bis zu mit Marmor verzierten nobelsten Luxuslinern reichen. Gut bedient ist man in jedem Falle mit einem Schiff der mittleren Kategorie. Die Zimmer sind gemütlich und geräumig und die Zimmerboys – in Ägypten ausschließlich junge Männer – versuchen die Reisenden mit immer neuen Handtuchkreationen, die zum Beispiel in der Form von Schwänen geschlungen auf den frisch gemachten Betten auf die Bewohner warten, zu erfreuen und ihnen ein wenig zusätzliches Bakschisch zu entlocken.
Weil die Landschaft, die man auf der Fahrt von Luxor nach Assuan sieht, so überwältigend ist, empfiehlt es sich, sich auch die Rückfahrt zu gönnen, wo man sie mit einer Art zweitem, vertiefenden Blick noch einmal an sich vorüberziehen lassen kann: Palmenhaine und Zuckerrohrplantagen, aus denen die spitzen weißen Türme der Minarette ragen, flache Hütten am Ufer, in denen Mensch und Tier zum Teil noch heute unter einem Dach zusammenleben. Dahinter entfaltet sich bis zum Horizont die zu Sandbergen aufgetürmte Wüste. Der Zusammenklang von fruchtbaren Nilufer und unendlicher Wüste bietet eine archaische, biblische Landschaft – Moses wurde einmal in einem Körbchen hier angespült –, in der auf weite Strecken nichts das Auge stört. Während man es sich auf einer Sonnenliege an Deck des Schiffes bequem gemacht hat - und die Haut hoffentlich gut mit Sonnencreme geschützt ist – lädt diese Landschaft, die in ihrer alterslosen Schönheit fast etwas Unwirkliches hat, zum Träumen oder Meditieren ein.
Zu den drei festen Mahlzeiten wird man auf freundliche und zuvorkommende Weise von den zumeist sehr jungen Kellnern umsorgt. Ob Salat- oder Nachspeisenbüffets – oft sind die liebevollen Arrangements wahre Kunstwerke und genau wie die variantenreichen Hauptgerichte wirklich köstlich. Wer die Nilkreuzfahrt zu einem besonderen Anlass wie Geburtstag oder Verlobung unternimmt, wird mit einer eigens von der Patisserie gebackenen Torte gefeiert. Das Restaurantpersonal formiert sich dann zu einer kleinen Musikkombo, mit der man eine Ehrenrunde durchs Lokal tanzen muss.
Orte wie Esna, Edfu oder Kom-Ombo, in denen man anlegt, um die Tempelanlagen zu besuchen, ermöglichen wie ein Schaufenster Einblick in die Lebensart verschiedener ägyptischer Orte. Tipp: Wenn man mit dem Schiff in den jeweiligen Ort einläuft, empfiehlt es sich, nicht in Badehose und Bikini an der Reling zu stehen. Um sich als Gäste den Gepflogenheiten eines arabisch-islamischen Landes anzupassen, empfiehlt es sich, trotz großer Hitze auch auf den Landgängen auf Spaghettiträgerhemden oder kurze Hosen zu verzichten und Schultern, Dekollete und Knie – das gilt für Männer wie Frauen – zu bedecken. Erlebt: In Esna gerieten meine Reisebegleiterin und ich bei einem Bummel durch den abendlichen Ort in einen Strom von Männern, die gerade aus der Moschee kamen. Unabgesprochen hatten wir beide plötzlich das Gefühl, die Tücher, die wir um die Schultern trugen, zu einem Kopftuch umzuwandeln, um nicht ganz so touristisch zu erscheinen. Auf diese Weise ausstaffiert wagten wir uns dann auch in ein wie immer ausschließlich mit Männern besetztes Straßencafé und wurden sehr freundlich bedient. Besonders lecker bei den warmen Temperaturen ist der so genannte schai bil nana – schwarzer Tee mit frischen Pfefferminzblättern.
Tipp: Im Karnak-Tempel in Luxor gibt es neben dem Staubecken im Zentrum der Anlage die große Skultpur eines Skarabäus-Glückskäfers. Eine Legende sagt: Wenn man ihn sieben Mal umrundet, geht der Wunsch, an den man dabei denkt, in Erfüllung. Achtung: Man darf sich aber nicht verzählen!
In jedem Falle lohnt sich in Assuan der Besuch des eleganten Hotels Old Cataract und des in den 60er Jahren wegen des Baus des Nilstaudamms versetzten Tempels Abu Simbel südlich von Assuan. Er vereint die beiden Tempel des Ramses und der Neferteri. Für mich war es die beeindruckenste und – direkt am Nasserstausee und fast an der Grenze zu Syrien gelegene – Tempelanlage der Nilkreuzfahrt. Natürlich muss man sich überwinden, mitten im Urlaub morgens um drei oder vier Uhr aufzustehen und mit dem Konvoi gegen fünf Uhr in Richtung Abu Simbel aufzubrechen. Wenn man ihn nicht verschläft, kann man auf der Fahrt über der Wüste einen herrlichen Sonnenaufgang erleben und auf der Rückfahrt ganze Ozeane von Fata morganen in der Wüste erleben! Tipp: Das Kissen von Bord mitnehmen, um den unterbrochenen Nachtschlaf ein wenig nachzuholen.
Rotes Meer
Da die Nilkreuzfahrt landschaftlich sehr erfüllend, aber mit ihren vielen Besichtigungen auch nicht unanstrengend ist, empfiehlt es sich, vor der Rückreise noch ein paar Tage am Roten Meer auszuspannen. Am bekanntesten ist natürlich die Touristenhochburg Hurghada. Aber egal, ob man nach Safaga, Quseir oder Marsa alam fährt, die unterschiedlich gestalteten Hotelanlagen sind allesamt annehmbar. Unermüdliche Gärtner und Tag und Nacht arbeitende Bewässerungsanlagen verwandeln die auf Wüstenboden gebauten Urlaubsressorts in blühende Landschaften. Sie liegen zumeist direkt am Meer und gleichen – mit Swimmingpools, Einkaufspassagen und Wellnesscentern – einer Stadt in der Stadt. Tipp: In den Hotels sind alle Waren mit Euro ausgepreist. Diese Währung ist dort eher als die ägyptischen Pfund willkommen.
Da diese Anlagen manchmal auch mehrere Kilometern von den Hauptorten entfernt liegen können, muss man sich nach der Weite der ägyptischen Landschaft von der Nilkreuzfahrt erst einmal an den eingeschränkten Bewegungsraum gewöhnen. Meist gibt es einen Shuttlebus, der ein- oder zweimal in der Woche die Gäste in die jeweiligen Orte fährt. Viele dieser Hotelanlagen sind mit ihren direkt vor den Türen liegenden, allerdings auch vom Tourismus bedrohten korallen- und fischreichen Hausriffs die reinsten Taucherparadiese.
Tipp: In der Nähe der Hotelanlagen gibt es manchmal ebenfalls direkt am Strand von Einheimischen betriebene kleine Shisha-Bars oder Restaurants, die in jedem Falle originaler sind als die manchmal doch etwas steril anmutenden Ressorts. Man sollte dort wenigstens mal eine Wasserpfeife rauchen oder einen Tee trinken. Auch die einfachen angebotenen Speisen sind oft sehr lecker. Man dort einfach viel mehr das Gefühl, wirklich in Ägypten zu sein.
Zum Abschied noch einmal Kairo
Wenn man nun – sonnengebräunt und mit Meeresluft durchtränkt – mit einem Auto der Reiseagentur nach einer Fahrt durch die Wüste wieder in das im Smog versinkende Kairo zurückkehrt, kann dies erst mal ein Schock sein. Man sollte jetzt höchstens noch zwei Tage dort verbringen, um nicht die gesamte Erholung wieder zunichte zu machen. Auf dem großen Markt Khan el kallili kann man sich zum Schluss noch einmal mit allen nur erdenklichen Souvenirs, die die ägyptische Welt zu bieten hat, eindecken. Zum Abschied könnte man auf einem der fest am Nilufer vertäuten Restaurantschiffe essen gehen, um sich vom Nil zu verabschieden, bevor man sich wieder in die Lüfte Richtung Heimat begibt.
Cornelia Sachse, Stand März 2007
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