Geschichte Bhutans

Nepal Buddha
Nepal Buddha
Shabdrung Nawang Namgyal
Shabdrung Nawang Namgyal
Jigme Singye Wangchuck
Jigme Singye Wangchuck

Die Südhänge des Himalaya waren bereits 2.000 vor Christus besiedelt, die Flusstäler boten Einzugsgebiete für Nomaden und die Pässe Übergänge aus dem Norden. Die eigentliche Geschichte der Region aber beginnt erst mit dem Buddhismus. Zuvor war, wie überall im Himalaya, die Bon-Religion mit ihrer animistischen Geisterwelt im Volk verbreitet. Teile davon finden sich heute noch im Buddhismus der Himalaya-Regionen integriert.

Als der König von Bumthang 746 von einem Dämon befallen wurde, sandte man nach einem tantrischen Exorzisten – den grossen Meister Padmasambhava – in Bhutan besser bekannt als Guru Rinpoche. Mit seiner Hilfe wurde der König vom Dämon befreit und konvertierte zum Buddhismus.

Doch schon zuvor hatte der 1. König Tibets, Songtsen Gampo, im Paro- und Choekhor-Tal erste buddhistische Klöster gegründet – so hatte Buddha im heutigen Bhutan Fuss gefasst. Es folgen dunkle Jahrhunderte, Tibet stürzte mit König Langdarma (der den Buddhismus bekämpfte) und dessen Ermordung in religiöse Anarchie und viele Tibeter flohen nach Süden, wo sie sich oft als neue Herren etablierten. Vom 12.-16.Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Bhutan ein Missionsgebiet für diverse Schulen des tantrischen Buddhismus, jedoch keine politische Einheit.

Die Einigung Bhutans wurde durch Ngawang Namgyel eingeleitet. Als Sohn der aristokratischen Gya-Familie in Tibet wurde er Abt des Drukpa-Klosters Ralung in Südtibet. Der Desi (Herrscher) von Tsang in Zentraltibet hatte allerdings dafür seinen eigenen Kandidaten vorgesehen und Ngawang Namgyel musste um sein Leben fürchten. Unter Mitnahme vieler Reliquien floh er 1616 nach Westbhutan, wo er als Shabdrung, als anerkannter religiöser Führer zunächst Simtokha, sein erstes Dzong errichtete.

Ausserhalb der Drukpa-Linie wurde der Shabdrung von allen anderen buddhistischen Sekten bekämpft, die sich zusammenschlossen, Simtokha angriffen u.d nach der ersten Niederlage sogar Tibeter zu Hilfe riefen. Shabdrungs Kämpfer besiegten jedoch mehrmals auch die Tibeter und 1639 wurde seine Herrschaft über Bhutan auch von Tibet anerkannt. Das Konzept der Dzongs – befestigte Klosteranlagen, die auch administrative Aufgaben erfüllen – wurde konsequent im ganzen Land ausgebaut, die Dzongs von Simtokha, Paro, Punakha, Trongsa und Jakar funktionieren heute noch.

Der Shabdrung veranlasste auch den Zusammenschluss aller Mönche in der „sangha“ unter einem obersten Abt, dem „Je Khenpo“, vergleichbar mit dem Dalai Lama der Gelugpas. Um dem Land auch eine kulturelle eigene Identität zu geben wurde der Kagyu (buddhistischer Canon) buthanesich codifiziert, eine Nationaltracht und die Tshechu-Feste eingeführt und ein Rechtskodex geschaffen, der die Beziehung zwischen Klöstern und dem Bauernvolk regelte. 1651 zog sich der Shabdrung im Punakha Dzong in eine Meditationszelle zurück und verstarb dort. Sein Tod wurde über 50 Jahre lang aus Stabilitätsgründen geheim gehalten, der Leichnam wurde einbalsamiert und liegt heute noch in einem versiegelten Sarg im Dzong, allerdings haben nur 4 Personen (2 Lamas, der Je Kenpo und der König) Zutritt zu diesem Raum. Kurz nach seinem Tod wurden auch Zentral- und Ostbhutan militärisch erobert und das geeinte Land erhielt damit die Gestalt des heutigen Bhutans. Das von Ngawang Namgyal initiierte duale Verwaltungssystem mit Penlops als administrative Provinzverwalter und einem Desi als Haupt einer theokratischen Regierung, hielt sich bis zur Einführung der Monarchie im Jahre 1907.

Allerdings gab es immer wieder Rivalitäten zwischen einzelnen Fraktionen um die Position des (gewählten) Desi, die 200 Jahre lang Machtkämpfe und Bürgerkriege auslösten, in die auch Tibet, China und Cooch Behar (das heutige Sikkim) einbezogen wurden. Unstimmigkeiten über die Zugehörigkeit der Duars – die Ebenen zwischen dem Brahmaputra und den ersten Höhenzügen im Süden Bhutans – brachte das Land dann in Konflikt mit den Briten in Indien. Nach heftigen Kämpfen musste Bhutan die Duars an Indien abtreten und verlor wertvolles Farmland sowie einige Ortschaften und damit einen Grossteil seines Reichtums. Im Herzen Bhutans ging jedoch das Machtgerangel weiter. Der Penlop von Trongsa, Jigme Namgyal, schaltete zu guter letzt seinen Rivalen in Paro aus, etablierte sich als mächtiger Desi und sezte seinen Sohn, Ugyen Wangchuck, als Paro Penlop ein. Nach dem Tod des Vaters assistierte der Sohn den Briten bei ihrer Invasion Tibets, erweiterte seine Machtbasis und wurde 1907 von einem Gremium aus Stammesführern und Lamas einstimmig zum 1. Druk Gyalpo – Drachen-König – gekrönt. Die guten Beziehungen des Königs mit den Briten führten 1910 zum Vertrag von Punakha, in welchem sich England zur Nichteinmischung in interne Angelegen-heiten Bhutans bekannte und Bhutans Aussenpolitik von Ratschlägen der britischen Regierung geleitet werden sollte. Ein Anspruch, der nach der Unabhängigkeit Indiens an Delhi überging. Die Erbmonarchie wurde nach dem Tod Ugyen Wangchucks 1926 von seinem Sohn Jigme und danach 1952 durch dessen Sohn Jigme Dorji fortgesetzt. Die Einverleibung Tibets als chinesische Provinz führte Bhutan drastisch vor Augen, dass eine isolationistische Politik keinen Platz in der modernen Welt hat, ein Prozess einer geplanten, graduellen Öffnung wurde 1961 eingeleitet. Bhutan trat der Post-Union und 2 Jahre später der UN bei, nahm volle diplomatische Beziehungen mit Indien auf, schuf eine Nationalversammlung und etablierte einen Gesetzeskodex, ein oberstes Gericht sowie eine Armee und ein Polizei Korps.

Als1972 Jigme Dorji Wangchuck 44jährig verstarb musste sein 16jähriger Sohn Jigme Singye das Erbe antreten. In England und Indien erzogen legte dieser grossen Wert auf ökologische Entwicklung und den Erhalt bhutanesischer Kultur und Tradition. Er wird das Land seinem Sohn Dasho Jigme Khesar Namgyal Wangchuck übergeben nachdem er es durch Schaffung eines Parlamentes und Zulassung von Parteien in eine echte konstitutionelle Monarchie umgestaltet hat.

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